Bernd von der Walge
Bernd von der Walge
Bernd von der Walge
Bernd von der Walge

Michail Schaiber-Sokolskis deutsche Übersetzung von Pjotr Jerschows Verspoem "Das Höckerpferd" erschien zum erstenmal 1981 in einer großformatigen Ausgabe in Moskau. Bald darauf wurde diese Ausgabe in der DDR "nach"gedruckt, ohne dass Übersetzer oder Illustrator davon Kenntnis erhielten. Nachdem Michail Schaiber-Sokolski 1997 von Moskau nach Marburg gezogen war, entschlossen wir uns 2001 zu einer Neuausgabe in einem stark verkleinerten Format. Die 100 Liebhaber-Exemplare waren schnell vergriffen. Im Sommer vergangenen Jahres (2013) entschloss ich mich zu einer Bearbeitung in der neuen Rechtschreibung und zur Herausgabe als Kindle eBook (Amazon). Anfang 2014 erschien dann nach diesem eBook auch eine Printausgabe "on demand" – ebenfalls bei Amazon. Dies ermöglicht es weiterhin, dass bei Bestellung der Printausgabe die Kindle eBoook-Ausgabe kostenlos "dazugebucht" werden kann. Dies schien mir ein geeignetes Verfahren, diese wunderbare Übersetzung einer der bekanntesten russischen Märchenerzählungen auch auf unserem Buchmarkt am Leben zu erhalten. Klicken Sie bitte hier auf das Cover, das Sie mit der Bestellseite der Printausgabe verbindet.

Michail Schaiber-Sokolski: Der russische Dichter Pjotr Jerschow
Radiosendung zu Pjotr Jerschows Verspoem "Das Höckerpferd" (leicht gekürzt) im mp3-Format.
Schaiber-Sokolski_Jerschow.mp3
MP3-Audiodatei [22.5 MB]
Michail Schaiber-Sokolski: Der russische Dichter Pjotr Jerschow.
Ein klingender Audiotext von Michail Schaiber-Sokolski. Da neuere Windows Versionen des Acrobat Reader die eingelagerte MP3-Datei nicht wiedergeben, wurde hier die Audio-Datei auch einzeln eingestellt
Sokol_Jerschow_PDF_Audio.pdf
PDF-Dokument [22.5 MB]

Ȇber Hang und Fels bergan

trug das Höckerpferd Iwán«

 

Der russische Dichter Pjotr Jerschow

von

Michail Schaiber-Sokolski

 

Die Weltliteratur kennt viele, sehr viele Meister, deren Nachruhm auf einem einzigen Werk beruht. Und dennoch ist der russische Dichter, von dem hier die Rede sein wird, ein Sonderfall.

Jedes russische Kind, ja auch jeder Russe und jede Russin, die irgendwann einmal Kind gewesen sind, kennt ganz bestimmt dieses Versmärchen aus dem vorigen Jahrhundert, "Das Höckerpferd" – wenn auch nicht auswendig, denn es umfasst hundert Seiten eines Buches von grossem Format, so doch dem Inhalt nach, Episode um Episode, und ein paar gereimte Zeilen aus jeder Episode werden den meisten sicher im Gedächtnis haften. Fragt man indes den Durchschnittsrussen nach einem Dichter namens Jerschow, Pjotr Jerschow, so wird er höchstwahrscheinlich mit den Achseln zucken – und dies, obwohl die Russen ihre Dichter gewöhnlich sehr gut kennen, weit besser, wage ich zu behaupten, als etwa die Deutschen die ihren. Und dabei stand doch dieser Name ganz deutlich auf jeder der rund 400 Auflagen, die das Versmärchen bislang erlebt hat! Eine Unaufmerksamkeit, die beim besten Willen nicht zu erklären ist! Kann es da verwundern, dass in Deutschland so gut wie niemand diesen Namen kennt, obgleich "Das Höckerpferd" schon mehrmals übersetzt worden ist? Heute soll Pjotr Jerschow, diesem Dichter von seltenem Talent, Gerechtigkeit widerfahren.

Pjotr Jerschow wurde 1815 im fernen Sibirien, in einem winzigen Dorf geboren. Dort gab es keine Schule, und so wurde er bereits als kleiner Junge nach Tobolsk aufs Gymnasium geschickt.

In Tobolsk, einem verschlafenen Städtchen mitten in den ungeheuren Weiten östlich des Urals, sollte er, ausgenommen die fünf Jahre seines Studiums in St. Petersburg, dann sein ganzes Leben verbringen.

Allerdings war Tobolsk seinerzeit, in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, das Verwaltungszentrum Westsibiriens gewesen, einer wüsten, von halbwilden Völkerschaften besiedelten Riesenregion, fast doppelt so gross wie Europa, doch seitdem waren in der Nähe andere Städte mit weit größerer Einwohnerzahl, weit mehr Handel und Industrie herangewachsen, und Tobolsk nahm sich in ihrem Schatten eher wie ein ärmlicher Krähwinkel aus. Dieser Stadtname sollte dann nur noch zweimal in der Geschichte auftauchen: als nämlich im Sommer 1917 die Zarenfamilie hierher verbannt wurde – doch schon nach wenigen Monaten wurde sie von den Bolschewisten nach Jekaterinburg überführt und dort ermordet; und das zweite Mal, als vor nunmehr etwa 40 Jahren ein grosses Erdölvorkommen in der Nähe entdeckt wurde. Zum Hauptort des neuen Erdöl- und Chemiereviers bestimmte man jedoch das unweit gelegene Tjumen, und Tobolsk geriet wieder in Vergessenheit. Was nun Jerschow betraf, so absolvierte er schon mit 15 Jahren, und zwar als Klassenbester, das Gymnasium und legte den unendlich langen Weg nach St. Petersburg mit Postpferden zurück, um Philosophie und Recht zu studieren. Seinen spärlichen Lebensunterhalt bestritt er dort zum Teil mit romantischen Gedichten, die er in einer der zahlreichen Literaturzeitschriften veröffentlichte. Eines Tages aber las er Puschkins, des russischen Nationaldichters, soeben erschienene Versmärchen, und da beschloss er, sich auch einmal in dieser Gattung zu versuchen. Kurze Zeit darauf zeigte er den ersten Teil seines "Höckerpferds" dem berühmten Philosophie- und Literaturprofessor Pletnjow, und da geschah etwas Außergewöhnliches: Statt der erwarteten Vorlesung über mittelalterliche Denkweisen hörten die Studenten am nächsten Tag ein von ihrem Professor kunstvoll vorgetragenes Märchen an! Es begann ziemlich traditionell:

 

Hinter Wald und Bergeshöhen,

weiten Meeren, blauen Seen,

auf der Erde, unterm Mond

hat ein Bauer einst gewohnt,

und drei Söhne ihm zur Seit’.

 

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